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Der Beutelkasten

Beim Beutelkasten handelt es sich um die ältetste mechanische Siebvorrichtung; sie erscheint erstmals um 1500 in einer Wassermühle in Zwickau. Zuvor musste, wenn Feinmehl gefordert wurde, das Mahlgut mühsam per Hand mit Hilfe von feinmaschigen Tüchern gesiebt werden. Der Beutelkasten besteht aus einem schrankartigen Holzkasten, in dem schräg zum Auslauf hin geneigt eine Tuchrolle, der Beutel, aufgehängt ist. Dieser Beutel wurde ursprünglich aus einer bestimmten groben Tuchart ("Beuteltücher") gefertigt, später aus Seidengaze. Eine vom Mühleisen angetriebene Mechanik versetzt den Beutel bei Betrieb in auf- und niedergehende Bewegung.

Durch diese Schläge fällt das feine Mehl durch die Siebmaschen des Beutels hindurch in den Boden des Maschinengehäuses. Die gröberen Teile rutschen durch die Schräglage des Beutels nach hinten aus diesem heraus und verlassen die Maschine über ein rundes Loch in deren Rückwand, den sog. "Kleiekotzer". Oftmals befand sich dort noch ein kleines Flachsieb, mit dem man noch die Grieße aus den anfallenden Schrot- und Kleieteilchen austrennte.

Der Beutelkasten der Laderholzer Mühle ist eine Rekonstruktion. In der letzten Zeit des Mühlenbetriebs stand hier schon der Nachfolger des Beutelkastens, der sog. "Sechskantsichter". Alte Zeichnungen der Mühle zeigen am ersten Mahlgang unserer Mühle jedoch noch den Beutelkasten, von dem sich bei Aufräumarbeiten innerhalb der Mühlenruine 1991 noch herumliegende Reste der Antriebsmechanik fanden ("die alten Müller haben niemals etwas weggeworfen"). Der 1998 rekonstruierte Beutelkasten ist der einzige, funktionsfähige und auch in Betrieb befindliche Vertreter dieser fast ausgestorbenen Maschinengattung in Niedersachsen.

Wer den hiesigen Beutelkasten in Betrieb erlebt, dem werden auch die Nachteile dieser ältesten Siebmaschine auffallen: Eine hohe Geräuschentwicklung und eine starke Reparaturanfälligkeit des komplizierten hölzernen Antriebswerks. Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsachen ist der Beutelkasten heute nur noch selten in alten Mühlen anzutreffen.

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